Die Ausstellung Eine private Angelegenheit im Muzeum moderního umění präsentiert nicht nur einen Querschnitt durch das Werk von Zbyněk Sekal (1926–1998), sondern ist vor allem ein Versuch, dem Betrachter seine innere Welt als Raum der Erinnerung, Angst, Ordnung und Stille zu öffnen. Neben ausgewählten Plastiken, Assemblagen und Schachteln treten auch seine eigenen Worte in Form von Tagebuchauszügen und persönlichen Gedanken in die Ausstellung ein und schaffen intime Koordinaten der menschlichen Präsenz des Autors. Die Ausstellung wird durch eine Schenkung aus dem Nachlass der Künstlerehefrau Christine Sekal an die Sammlung des Muzeum umění Olomouc ermöglicht.
Das künstlerische Werk von Zbyněk Sekal ist von tiefen persönlichen Erfahrungen und existentieller Beklemmung durchdrungen. Er war ein außerordentlich konzentrierter und einsamer Mensch, geprägt von Krieg, Gefangenschaft und dem Aufenthalt in einem Konzentrationslager. Mit der Erfahrung des extremen Chaos setzte er sich auseinander, indem er die Notwendigkeit verspürte, Ordnung in den Dingen um sich herum zu finden und aus deren Fragmenten ein neues Ganzes zu schaffen. Dieses Prinzip durchdringt sein gesamtes Werk – von frühen Plastiken aus den fünfziger Jahren über hängende Assemblagen aus gefundenen Gegenständen und gebrauchten Materialien aus den sechziger Jahren bis hin zu komplexen und streng komponierten Schachteln, denen er sich ab den achtziger Jahren intensiv widmete.
Informationen zur Ausstellung
AUSSTELLUNG: Zbyněk Sekal: Eine private Angelegenheit. Einblicke in die Sammlungen des Muzeum umění Olomouc
TERMIN: 01 07 – 04 10 2026
ORT: Muzeum moderního umění, Galerie
KURATORINNEN: Olga Š. Staníková, Klára Jeništová
ÜBERSETZUNG UND SPRACHLICHE REDAKTION: Zuzana Henešová
INSTALLATION: Vlastimil Sedláček, Filip Šindelář, Radka Žáková
SOUNDREALISATION: Kamil Zajíček, Petr Votoček
ELEKTROINSTALLATION: Dušan Sapara
GRAFIKDESIGN: Kateřina Manková
PÄDAGOGISCHE PROGRAMME: Denisa Tessenyi, David Hrbek
*Die Ausstellung wurde durch die Schenkung der Künstlerehefrau Christine Sekal ermöglicht, die in ihrem Testament den künstlerischen Nachlass von Zbyněk Sekal unter fünf Institutionen aufteilte. Neben dem Muzeum umění Olomouc sind dies die Westböhmische Galerie in Pilsen, das Museum Kampa, die Nationalgalerie in Prag und das Belvedere in Wien.
QR-Code mit einem Link zum Audioguide der Zbyněk Sekal Ausstellung Eine private Angelegenheit. Scannen Sie den QR-Code und kehren Sie in der Cabinet of Wonders App zu Zbyněk Sekals Gedanken zurück. Dort finden Sie weitere Auszüge aus seinen Tagebüchern und haben auch die Möglichkeit, den KI-Führer zu befragen.
Neben seiner bildhauerischen Arbeit widmete sich Sekal dem Zeichnen, Collagen, der grafischen Gestaltung von Buchumschlägen und Übersetzungen anspruchsvoller deutscher philosophischer und literarischer Texte. Gleichzeitig formulierte er eigene Texte und führte Tagebücher, die heute einen einzigartigen Schlüssel zum Verständnis seines Denkens und seiner künstlerischen Arbeit darstellen. Gerade diese Tagebucheinträge werden zu einer der wichtigen Achsen dieser Ausstellung – nicht als bloßer Kommentar zum Werk, sondern als dessen natürlicher Bestandteil. Als Stimme des Autors, die still bleibt und doch eindringlich ist.
Neben dem Existentialismus wurde Sekal stark vom Informel beeinflusst, und obwohl er ein ausgeprägter Einzelgänger blieb, reihte sich sein Werk in den weiteren Kreis der europäischen Nachkriegskunst ein, die auf den Zerfall der Gewissheiten und die Suche nach einer neuen Sprache nach dem Krieg reagierte. Das Bedürfnis, sich vor der Außenwelt und dem Druck des damaligen Regimes zu verschließen, führte ihn zu einer bestimmten Form der inneren Emigration, noch bevor er nach 1968 tatsächlich emigrierte und sich anschließend in Wien niederließ. Dort fand er sein neues Atelier, wo er lange Stunden konzentriert und allein arbeitete, umgeben nur von seinen Werken und einer unendlichen Menge an Material, und wo er sich im Laufe der Jahre einen schützenden Mikrokosmos aufbaute.
Sekals Werk mag still, manchmal sogar verschlossen wirken. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat es die Fähigkeit, sehr persönlich anzusprechen. Es drängt keine Interpretation auf und bietet keine eindeutigen Antworten. Vielmehr schafft es einen Raum, in dem man für einen Moment innehalten und in eine konzentrierte Stille eintreten kann. Vielleicht öffnet sich sein Werk gerade hier am meisten: als geduldiges Zusammensetzen der Welt aus Fragmenten, als Versuch, das festzuhalten, was sonst zerfällt, und als stilles, aber eindringliches Zeugnis menschlicher Erfahrung.

Zbyněk Sekal: Eine private Angelegenheit
1. Juli – 4. Okt., 2026





