Jahrhundert der Relativität II

Dauerausstellung

Die Ausstellung präsentiert eine komplexe Geschichte des Aufeinandertreffens verschiedener, oft widersprüchlicher Kunststile vor dem Hintergrund einer mehr oder weniger linearen Zeitachse. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Malerei und Skulptur, die den Besuchern die grundlegenden Strömungen und Tendenzen der tschechischen modernen Kunst im betrachteten Zeitraum näherbringen. Ein markantes Spezifikum des zweiten Teils der Ausstellung ist die Einordnung der tschechischen Nachkriegskunst in einen breiteren mitteleuropäischen Kunstkontext.

Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der Ausstellungsraum Mansarda ist der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet. Die Einleitung der Ausstellung erfasst das Ausklingen des Impressionismus und symbolistischer Tendenzen zu Beginn des Jahrhunderts. Ihr Hauptschwerpunkt ist jedoch eine gründliche und reiche Präsentation moderner Strömungen vom Expressionismus, Kubismus und Kubismus-Expressionismus bis zum Civilismus. Die Ausstellung vernachlässigt auch nicht abstrakte Ausdrucksformen und den Surrealismus aus den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihr Abschluss gehört dem Werk der Künstler der Skupina 42. Besondere Aufmerksamkeit wird auch der modernen Landschaftsmalerei gewidmet, deren markanteste Beispiele, wenn auch in einer anderen künstlerischen Sprache, die Atmosphäre der Entstehungszeit einfangen.

Einen völlig einzigartigen Teil der Ausstellung bildet eine Sammlung von Kammerwerken einer der Gründungsfiguren der europäischen Abstraktion, des aus Olomouc stammenden Adolf Hölzel, die das Museum dank einer großzügigen Schenkung der Berliner Sammler Heinz und Monika Röthinger erworben hat.

Audioführer zur Ausstellung Jahrhundert der Relativität II

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und Beginn des 21. Jahrhunderts

Der zweite Teil der Ausstellung, in der Obrazárna untergebracht, hat den Anspruch, den Zuschauern in einem konzentrierten Überblick die wichtigsten künstlerischen Tendenzen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des 20. Jahrhunderts näherzubringen, mit einigen Überschneidungen in das aktuelle Jahrhundert. Die Ausstellung beginnt mit Beispielen des Schaffens bedeutender Solitäre der fünfziger Jahre und Autoren, die an die Vorkriegsavantgarde anknüpften. Es folgt die Nachkriegs-Abstrakte Kunst, also Werke, die mit verschiedenen Formen der gestischen und strukturellen Abstraktion verbunden sind. Von den vielen widersprüchlichen Tendenzen der sechziger Jahre werden Beispiele des Neokonstruktivismus, Kinetismus und der sogenannten Neuen Geometrie vorgestellt, die sich in den siebziger und achtziger Jahren weiterentwickelten. An diesen Teil schließen sich logischerweise konzeptuelle Werke aus den siebziger und achtziger Jahren an, ergänzt durch ausgewählte Beispiele der Aktionskunst mittels einer Filmschleife.

Im Gegensatz zu diesen Positionen stehen die malerischen und skulpturalen Werke der sogenannten Neuen Figuration, der tschechischen Groteske und der späteren existenziellen Figuration der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Der vorletzte Teil der Ausstellung widmet sich postmodernen Ausdrucksformen, deren Einfluss sich auch in der Kunst der folgenden Jahrzehnte deutlich widerspiegelte. Im Vergleich zur ursprünglichen Ausstellung von 2013–2025 ist die neue Form erweitert, in Anknüpfung an den ersten Teil der Dauerausstellung, auch um Werke, die die Entwicklung der Nachkriegslandschaftsmalerei und andere vielfältige künstlerische Ansätze zum Verhältnis zur Natur erfassen.

Wie bereits erwähnt, wird in der Obrazárna nicht nur tschechische Kunst präsentiert. Im Zusammenhang mit dem langfristigen Akquisitionsbestreben, das mit dem Projekt des Mitteleuropäischen Forums Olomouc (SEFO) verbunden ist, dessen Gebäude in den kommenden Jahren als Erweiterung des bestehenden Museums für Moderne Kunst realisiert werden soll, wird die tschechische Nachkriegskunst in einen breiteren künstlerischen Kontext gestellt. Der internationale Kontext zeigt, dass Kunst, die unter ähnlichen politischen, kulturellen und sozialen Bedingungen entsteht, viele gemeinsame Merkmale aufweist, gleichzeitig aber die Eigenständigkeit der einzelnen Ausdrucksformen, die aus lokalen Besonderheiten erwachsen, nicht übersehen werden kann.

Haptischer Pfad

Bestandteil der Ausstellung ist auch das Bildungsprojekt Haptischer Pfad: Dem Kunstwerk durch Berührung näher, dessen Autorin Denisa Tessenyi ist. Es macht ausgewählte plastische Werke aus den Sammlungen des Olomouc Museum of Art durch 3D-gedruckte Modelle, haptische Elemente und verbale Beschreibungen zugänglich. Besuchern im Vorraum der Ausstellung und im angrenzenden CEAD-Bereich ermöglicht es, Kunst nicht nur visuell, sondern auch durch Tastsinn und multisensorische Erlebnisse zu entdecken. Es richtet sich hauptsächlich an Menschen mit Sehbehinderungen, kann aber von allen genutzt werden, die Kunst barrierefrei und auf neue Weise entdecken möchten.

Jahrhundert der Relativität II

AUTOREN UND KURATOREN: Štěpánka Bieleszová (1900–1946), Štěpánka Bieleszová, Ladislav Daněk (1947–2000+)

SPRACHLICHE BEARBEITUNG UND ÜBERSETZUNGEN: Hana Havlíčková, Zuzana Henešová

GRAFISCHES DESIGN: Petr Šmalec, Kateřina Manková

RÄUMLICHE GESTALTUNG UND INSTALLATION: Vlastimil Sedláček, Michal Soukup, Filip Šindelář, Radka Žáková

VORBEREITUNG DER EXPONATE: Jakub Barna, Veronika Langer Klimszová, Anna Píšťková, Gabriela Polívková

HAPTISCHER PFAD: Abteilung für Typhlopedie der Palacký-Universität Olomouc, Bildungsabteilung des MUO

BILDUNGSPROGRAMME: David Hrbek, Denisa Tessenyi

ERZÄHLUNGEN AUS DER DAUERAUSSTELLUNG (STORYTELLING)

Olomouc Museum of Art
Quelle: muo.cz/vystavy/stoleti-relativity